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Kommentar - German Escher, Chefredaktor

Närrische Medizin 

Die klirrende Kälte zieht sich zurück, die Temperaturen steigen allmählich auf ein erfreulich, festliches Niveau: vielversprechende Anzeichen also für die fünfte Jahreszeit.  Statt Schneeflocken fallen Konfetti vom Himmel. Und am Morgen wird man nicht von Männern, welche pflichtbewusstauf Schneepflug und Fräsen ihren Winterdienst leisten, sondern von letzten Narren und Guggen auf ihrem Torkelmarsch aus dem Schlaf gerissen. Wer sich dann nicht selber mit Kopfschmerzen im Bett wälzt, mag schmunzelnd in seinen Gedanken versinken. Die fünfte Jahreszeit lässt uns zwischen Welten wandeln. Wir schaukeln im Rhythmus der Guggenformation durch die Nacht, folgen dem Maskentreiben bis in die kleinste Bar, lachen über gelungene Pointen der Schnitzelbankgruppen und freuen uns über strahlende Kinderaugen. Es ist die Zeit der Karikaturisten und der Wagenbauer, die in Wirtshäusern oder an Umzügen die Geschehnisse der vorangegangenen vier Jahreszeiten pointiert festhalten.  In bunten Farben werden Vorkommnisse nachgezeichnet und die Machthaber der realen Welt «entlarvt». Die Türken, Drachentöter, Bäjini, Martinizünftler, Schlangudoorner und wie sie alle heissen, haben die Macht übernommen, um gemeinsam mit zahlreichen Helfern in verdankenswerter Weise die närrischen Tage zu organisieren. 

Zugegeben: Es ist nicht jedermanns oder jederfraus Ding, sich dem Fasnachtstreiben hinzugeben. Wer in die bunte Welt der schrillen Töne und langen Nächte eintaucht, muss sich nicht gleich selbst zum Narren machen. Das tut nur , wer die Regeln des Anstands überschreitet – mit oder ohne Maske.

Während den übrigen vier Jahreszeiten fehlt meist der Mut und die Zeit zur Ausgelassenheit.  Gerade deshalb hat die Fasnacht ihre Daseinsberechtigung. Abschalten vom Alltag, Eintauchen in eine Welt der Musik und der Fröhlichkeit. Das tut gut.

Wenn schon die sechste Ferienwoche wirtschaftlich kaum verkraftbar ist und deshalb wohl Wunschdenken bleibt, dann gönnen wir uns doch wenigstens die Ausgelassenheit zur fünften Jahreszeit. Lachen ist die beste Medizin.

Die närrische Konsequenz: Eigentlich müsste die Fasnacht ärztlich verschrieben werden – Alkaselzer inklusive.

 
 

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